ANIMAMINA

Hannes Seebacher

Fotografie / Photography

„Flüstere zu den Felsen, in dem Versteckten lauscht etwas, nimmt das Wort entgegen, führt es weiter und vollendet es.“Ailo Gaup

ANIMAMINA  – Seelenkörper/Körperseele

Anima – das Weibliche im Männlichen

Ostgrönland/Scoresbysund 2019

Seelenkörper/Körperseele

Für dieses Projekt habe ich mir vorgenommen, Eisberge in S/W Hochkontrast Monochrome zu fotografieren, sie anschließend zu spiegeln, um eine Transformation in ihrem Erscheinungsbild zu erreichen. Die Magie der Symmetrie, welche vor Ort bei spiegelglattem Wasser ohnehin schon sichtbar wird, ein wenig zu erweitern und auf Licht und Form zu reduzieren…

In den animistisch gelebten Kulturen früherer Zeit wurde die Welt als in sich beseelt empfunden und gesehen. Jegliche natürliche Erscheinung sei es ein Felsen, sei es eine Pflanze, ein Tier, die Sterne über uns, wir Menschen, war ein permanenter Ausdruck dieser Seele.

Heute leben wir zu einem großen Teil in einer rationell dominierten hochtechnisierten Welt und viele von uns wünschen sich bereits den für Sie der Vergänglichkeit und dem Leid unterworfenen Körper abzustreifen und ihren „Geist“, abgespalten von diesem, in eine austauschbare Maschine zu übertragen.

Durch den Begründer des modernen Rationalismus, Rene Descartes, der auch als Wegbereiter zur Aufklärung gilt, ist der Weg zur Trennung von Körper und Seele erst recht eröffnet worden. Der Leib wird als mechanistisches Objekt gesehen und der Geist bzw. die Seele der immateriellen Gedankenwelt zugeschrieben.

Ich denke, das wir durch dieses rationale Denken, das Wunder vor unserer Nase aus den Augen verloren haben, nämlich die unmittelbare Faszination lebendig zu sein, sein Herz schlagen zu spüren, das erhabene durchdringende Gefühl unter einem Sternenhimmel in der Nacht auf einer Wiese zu liegen, mit allen Sinnen offen um zu empfangen, um zu sein.

Die abstrakte Ästhetik der Eisberge, welche sozusagen losgelöst von der Mutterbrust, vom nährenden Gletscher in den Ocean stürzen und sich teilweise als gigantische Skulpturen durch Gezeiten und Strömungen von Wind und Wasser auf den Weg machen um zu vergehen, hat mir

unsere körperliche Einbindung in unsere Welt wieder näher gebracht.

Im Sommer, wenn die Sonneneinstrahlung intensiv genug ist, oder so wie jetzt, wo klimatische Veränderungen, Luftströmungen diese polaren Gebiete mehr erwärmen, beginnen Sie hörbar zu schmelzen. Die aus diesem kompakten Eis frei werdende Luft knistert, dann plötzlich ein gewaltiges Donnern und Krachen, welchem ein Riss wie ein Blitz vorausgeht und so den Berg bersten und riesige Türme mit großer Wucht ins Wasser fallen läßt und dadurch kleinere Tsunamis auslöst.

Die Oberfläche dieser Eiskörper ist gezeichnet durch all diese physikalischen Vorgänge. Ich hatte tatsächlich das Gefühl vernarbte, geschundene mit allen möglichen Linien und Mustern versehene Körper vor mir zu haben, auch wenn diese durch ihre Erhabenheit in den Hintergrund treten.

Diese Linien und Formen, Durchlässe, Brücken, Grate, Spitzen, Wölbungen, Höhlungen, Oberflächen wie zerknittertes Papier mit einem plastischen Überzug aus schmelzendem und zum Teil gleich wieder frierendem Wasser, glasklare luftleere Einschlüsse schimmernd in allen vorstellbaren Abstufungen der Farbe Blau fühlten sich sichtbar an wie ein vollkommenes Design, auch wenn Sie keiner vordergründigen Funktion unterliegen.

Wenn große Teile abbrechen und Sie dadurch aus dem Gleichgewicht geraten, fangen Sie an zu kippen, sich zu drehen und das was vorher nicht sichtbar war, kommt an die Oberfläche.

Dieser Prozess erzeugt durch die enorme Masse dieser Körper ein langes Auf und Abtauchen, ein Schaukeln um einen inneren Mittelpunkt, bis dieser das Gleichgewicht wieder erlangt und in einer völlig veränderten Form in Erscheinung tritt. 

Die von mir hier teilweise verwendete Metaphorik sowie die nachfolgenden Werke unterliegen einem Versuch uns wieder mit dem Körper zu vereinen, denn für mich sind wir aus dem Himmelskörper Erde heraus erwachsen und durch unseren Körper haben wir evolutionärer Weise ein Stadium der Selbstreflexion erreicht. Ich bin der Meinung, das unser Körper und seine uneingeschränkte Verbindung zur Welt die Grundlage für unser Denken und somit jeglicher „Hand“lung darstellt.

Aus diesem Grund bin ich auch der Überzeugung, das die Schaffung einer „künstlichen Intelligenz“ welche durch digitale Steuereinheiten in einem anorganischen Körper wirkt, mit der auf Kohlenstoff basierenden organischen Welt keine lebendige Kommunikation eingehen kann und somit zum Irrweg wird. Viktor Schauberger, ein von mir favorisierter Naturbeobachter, spezialisiert auf dem Gebiet Wasserkreislauf sagte einst „ Natur kapieren und dann kopieren“. Dazu muß man sich allerdings seiner Gegenwärtigkeit gewahr sein und das funktioniert meines Erachtens nur, wenn Körper, Geist und Seele wieder als Einheit empfunden werden.

https://www.am-polylog.at/

East Greenland/Scoresbysund 2019

soul body/body soul

For this project I decided to photograph icebergs in black and white high-contrast monochrome, then mirror them to achieve a transformation in their appearance. To extend the magic of symmetry, which is already visible on location in mirror-smooth water and reduce it to light and form. 

In the animistically lived cultures of earlier times, the world was perceived and seen as animated in itself. Any natural appearance, be it a rock, a plant, an animal, the stars above us, we humans, was a permanent expression of this soul.

Today we live to a large extent in a rationally dominated, highly technical world and many of us already wish to strip off the body, which for them is subject to transience and suffering, and transfer their “spirit”, separated from it, into an exchangeable machinebody

The founder of modern rationalism, Rene Descartes, who is also considered a pioneer of the Enlightenment, has opened the way to the separation of body and soul. The body is seen as a mechanistic object and the spirit or soul is attributed to the immaterial world of thought.

I think that through this rational thinking, we have lost sight of the miracle before our very eyes, namely the immediate fascination of being alive, of feeling one’s heart beating, of the sublime penetrating feeling of lying under a starry sky at night in a meadow, open with all senses to receive, to be.

The abstract aesthetics of the icebergs, which, as it were, detached from the mother’s breast, falling from the nourishing glacier into the ocean, and which in part set out as gigantic sculptures through the tides and currents of wind and water to perish, has given me a feeling of being alive,

brought our physical integration into our world closer again.

In summer, when the sun’s rays are intense enough, or as now, when climatic changes, air currents warm these polar regions more, they begin to audibly melt. The air released from this compact ice crackles, then suddenly there is a tremendous thunder and crash, preceded by a crack like lightning, bursting the mountain and causing huge towers to fall into the water with great force, causing smaller tsunamis.

The surface of these ice bodies is marked by all these physical processes. I actually had the feeling to have scarred, maltreated bodies with all kinds of lines and patterns in front of me, even if they fade into the background because of their sublimity.

These lines and shapes, passages, bridges, ridges, peaks, bulges, cavities, surfaces like crumpled paper with a plastic coating of melting and partly immediately freezing water, crystal clear airless inclusions shimmering in all imaginable shades of the colour blue felt visibly like a perfect design, even if they are not subject to any superficial function.

When large parts break off and you lose your balance, you start to tilt and turn and what was not visible before comes to the surface.

This process creates a long up and down, a rocking around an inner center, until it regains balance and appears in a completely different form. 

The metaphor I use here in part, as well as the following works, are subject to an attempt to reunite us with the body, because for me we have grown out of the celestial body earth and through our body we have reached a stage of self-reflection in an evolutionary way. I am of the opinion that our body and its unrestricted connection to the world is the basis for our thinking and therefore for any action.

For this reason, I am also convinced that the creation of an “artificial intelligence” which works through digital control units in an inorganic body, with the carbon-based organic world can not enter into living communication and thus becomes an aberration. Viktor Schauberger, one of my favourite nature observers, specialized in the field of water cycle, once said ” understand nature and then copy it”. To do this, however, you have to be aware of your presence, and in my opinion this only works if body, mind and soul are once again perceived as one.

https://www.am-polylog.at/

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